Chemotherapieinduziert Übelkeit <small>(CINV)</small>

Chemotherapieinduziert Übelkeit (CINV)

Chemo­therapie­induzierte Übelkeit (CINV)

Nebenwirkungen natürlich behandeln - Ziel der integrativen Onkologie

Symptome

Übelkeit und Erbrechen (Nausea und Emesis) gehören zu den am stärksten belastenden Nebenwirkungen der Strahlentherapie wie auch medikamentöser Tumortherapien. Mögliche Symptome sind Übelkeit, Würgereiz und Erbrechen.

Krebstherapieverursachende Übelkeit und Erbrechen

Intensität und Dauer der Symptome sind abhängig vom konkret eingesetzten Wirkstoff einer Chemotherapie, der Dosis, der Kombination mit anderen Medikamenten oder der Strahlentherapie. Außerdem spielen patientenindividuelle Risikofaktoren eine Rolle. Durch eine optimale medikamentöse Vorbeugung kann das Erbrechen bei der Mehrheit der Patienten verhindert werden. Das Verhindern der Übelkeit bleibt weiterhin eine therapeutische Herausforderung.

Durch häufiges Erbrechen verliert der Körper erhebliche Mengen an Flüssigkeit. Achten Sie deshalb unbedingt auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Welche Verlaufsformen der Tumortherapie verursachten Übelkeit und Erbrechen gibt es?

Tumortherapieverursachte Übelkeit und Erbrechen werden nach dem Zeitpunkt des Auftretens der Symptome in 3 Formen eingeteilt:

Akut: Auftreten der Symptome innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der Tumortherapie

Verzögert: Auftreten der Symptome später als 24 Stunden nach Beginn der Tumortherapie und Dauer bis zu 5 Tage

Antizipatorisch: vorauseilende Symptome, die durch äußere Reize wie Geschmack, Geruch und visuelle Eindrücke ausgelöst werden, oder durch psychische Faktoren wie Angst und Stress.

Mögliche Symptome sind Übelkeit, Würgereiz und Erbrechen. Der Schweregrad von Übelkeit und Erbrechen wird von internationalen Fachgesellschaften in 4 Kategorien klassifiziert:

Kriterium Grad 0 Grad 1 Grad 2 Grad 3 Grad 4
Übelkeit Keine Übelkeit Etwas, Nahrungsaufnahme nicht eingeschränkt Mäßig, Nahrungsaufnahme eingeschränkt Stark, keine Nahrungsaufnahme
Erbrechen Kein Erbrechen 1–2-mal/Tag 3–5-mal/Tag ≥ 6-mal/Tag Lebensbedrohlich

Häufigkeit & Ursache

Wann tritt eine durch Chemotherapie verursachte Übelkeit und Erbrechen auf?

Übelkeit und Erbrechen sind häufige Nebenwirkungen der medikamentösen Tumortherapie. Trotz vorbeugender Maßnahmen tritt bei ca. 20–30 % der Patienten Erbrechen während der Chemotherapie auf. 40–50 % der Patienten erleiden durch Übelkeit eine deutliche Minderung an Lebensqualität.1

Die Intensität der Symptome sowie deren zeitlicher Verlauf sind vom Wirkstoff bzw. den verwendeten Wirkstoffen der Krebstherapie abhängig. Einige Medikamente lösen bereits kurz nach der Infusion oder der Tabletteneinnahme Erbrechen aus, andere erst nach einigen Stunden oder sogar erst nach Tagen. Auch die Dauer der Übelkeit bzw. des Erbrechens schwankt zwischen wenigen Stunden und Tagen.

Für einige Wirkstoffe ist die Wahrscheinlichkeit, Übelkeit und Erbrechen zu entwickeln, statistisch erfasst worden. (Siehe Infobox 1 und 2)

Je nach Veranlagung des Patienten reagiert dieser unterschiedlich auf die Reize einer Chemotherapie, d. h. es gibt auch Risikofaktoren, die vom Patienten selbst ausgehen. (Infobox 3)

Wie entsteht tumortherapiebedingte Übelkeit und Erbrechen?

Tumortherapiebedingte Übelkeit und Erbrechen unterscheidet sich vom "normalen Erbrechen", das meist durch verdorbene Nahrungsmittel ausgelöst wird. In diesem Fall reagiert der Körper im Rahmen der Selbstregulation über einen Reflex, der die verdorbene Nahrung wieder loswerden will. Beim Tumortherapiebedingten Erbrechen verhält sich der Mechanismus anders. Bestimmte Krebsmedikamente (Zytostatika) führen zur Freisetzung eines körpereigenen Botenstoffs aus den Magen-Darm-Zellen, dem Serotonin. Das Serotonin aktiviert wiederum die Nerven, die das Brechzentrum im Gehirn stimulieren.

Infobox 1

Wirkstoffabhängiges Risiko für Übelkeit und Erbrechen von Infusionen ("Emetogenes Potential")

Emetogenes Potential Substanzen
Hoch > 90 % Anthrazyklin-Cyclophosphamid-Kombination
Carmustin
Cisplatin
Cyclophosphamid ≥ 1500 mg/m2
Dacarbazin
Mechlorethamin
Streptozotocin
Moderat > 30–90 % Alemtuzumab
Arsentrioxid
Azacitidin
Bendamustin
Carboplatin
Clofarabin
Cyclophosphamid < 1500 mg/m2
Cytarabin > 1000 mg/m2
Daunorubicin
Doxorubicin
Epirubicin
Idarubicin
Ifosfamide
Interferon α, > 10 Mio IU/m2
Irinotecan
Oxaliplatin
Romidepsin
Temozolomid
Thiotepa
Trabectedin
Tresosulfan
Gering 10–30 % Aflibercept
Asparaginsäure
Asparaginsäure, pegyliert
Belinostat
Blinatumomab
Bortezomib
Brentuximab
Cabazitaxel
Carfilzomib
Catumaxumab
Cetuximab
Cytarabin < 1000 mg/m2
Dactinomycin
Decitabin
Docetaxel
Doxorubicin, liposomalpegyliert
Eribulin
Etoposid
5-Fluorouracil
Gemcitabin
Ibritumomab-Tiuxetan
Interferon α, > 1,5 < 10 Mio IU/m2
Ipilimumab
Ixabepilon
Methotrexat
Mitomycin
Mitoxantron
Nab-Paclitaxel
Nelarabin
Paclitaxel
Panitumumab
Pemetrexed
Pentostatin
Pertuzumab
Radium-223
Temsirolimus
Topotecan
Trastuzumab-Emtansin
Vinflunin
Minimal < 10 % Bevacizumab
Bleomycin
Buserelin
Busulfan
2-Chlorodeoxyadenosin
Cladribin
Fludarabin
Fulvestrant
Goserelin
Interferon α, < 1,5 Mio IU/m2
Leuprorelin
Nivolumab
Obinutuzumab
Ofatumumab
Pembrolizumab
Pixantron
Pralatrexat
Ramucirumab
Rituximab
Siltuximab
Trastuzumab
Triptorelin
Vinblastin
Vincristin
Vinorelbin

Infobox 2

Wirkstoffabhängiges Risiko für Übelkeit und Erbrechen von Krebstherapien in Tabletten oder Kapselform ("Emetogenes Potential")

Emetogenes Potential Substanzen
Hoch > 90 % Hexamethylmelamin Procbazin
Moderat > 30–90 % Bosutinib
Ceritinib
Crizotinib
Cyclophosphamid
Imatinib
Lomustin
Temozolomid
Vinorelbin
Gering 10–30 % Afatinib
Alltransretinolsäure
Axatinib
Capecitabin
Dabrafenib
Dasatinib
Everolimus
Estramustin
Etoposid
Fludarabin
Ibrutinib
Idelalisib
Lapatinib
Lenalidomid
Mercaptopurin
Nilotinib
Olaparib
Pazopanib
Ponatinib
Regorafenib
Sunitinib
Tegafur Uracil
Thalidomid
Treosulfan
Vandetanib
Vorinostat
Minimal < 10 % Abarelix
Abirateron
Anagrelid
Anastrozol
Busulfan
Cabozantinib
Chlorambucil
Degarelix
Enzalutamid
Erlotinib
Exemestan
Flutamid
Gefitinib
Hydroxyurea
Melphalan
Lenvatinib
Letrozol
Melphalan
Methotrexat
Nindetanib
Pomalidomid
Ruxolitinib
Sorafenib
Tamoxifen
6-Thioguanin
Vemurafenib
Vismodegib

Infobox 3

Patientenindividuelle Risikofaktoren Faktor Risiko von Übelkeit und Erbrechen
Geschlecht Höher bei Frauen
Alter Höher bei jüngeren Patienten
Reisekrankheit, Schwangerschaftserbrechen Höher bei Patienten mit dieser Vorbelastung
Vorgeschichte von Übelkeit und Erbrechen Höher bei Patienten mit Vorbelastung in einer vorherigen Chemotherapie
Alkoholkonsum Niedriger bei Patienten mit chronischem starken Alkoholkonsum
Ängstlichkeit Höher bei ängstlichen Patienten

Quellen

1: Hesketh 2008, Jordan, Jahn et al. 2015

Schulmedizinische Methoden

Wie kann ich einer tumortherapiebedingten Übelkeit und Erbrechen vorbeugen?

Die moderne Begleitbehandlung zu Chemo- und Strahlentherapie umfasst zahlreiche Medikamente, mit denen Übelkeit und Erbrechen heute in vielen Fällen effektiv behandelt werden können. Diese Medikamente werden meist vom Arzt schon vorab für die Begleitung verordnet und sollten Ihnen als Patient auch zu Hause zur Verfügung stehen, sofern Sie eine ambulante Tumortherapie erhalten.

Die Behandlung richtet sich nach der Art von Übelkeit, die je nach verwendeter Therapie zu erwarten ist:

Akute Phase: Bei einer medikamentösen Tumortherapie, die ein sehr hohes Risiko eines Erbrechens mit sich bringt, soll vor der Chemotherapie eine Prophylaxe mit einem Serotonin-Antagonisten und Kortison (z. B. Ondansetron und Dexamethason) erfolgen. Auch Neurokinin-Antagonisten (Aprepitant) werden eingesetzt.

Verzögerte Phase: Bei einer medikamentösen Tumortherapie mit bekanntem Risikopotential für ein verzögertes Auftreten der Symptome wird Kortison (Dexamethason) eingesetzt.

Antizipatorische Phase: Psychotherapeutische Angebote.

Als Ergänzung stehen noch verschiedene andere Substanzklassen zur Verfügung.

Infobox 1

Eine Übersicht möglicher Substanzen:

Substanz Medikament Hinweis
Serotonin-(5-HT3)-Antagonisten (Setrone)
Ondansetron
Granisetron
Palonosetron
Zofran®
Kevatril®
Aloxi®
ACHTUNG: als Nebenwirkung tritt oft Verstopfung auf!
Neurokinin-1 (NK1)-Rezeptorantagonisten
Fosaprepitant Emend® nur in Kombination mit der Substanzklasse "Setronen"
Steroide
Dexamethason (Kortison)
Dopaminantagonisten/Prokinetika
MCP ACHTUNG: Nebenwirkungen des Nervensystems, Wechselwirkungen mit z. B. Haloperidol
ACHTUNG: keine MCP-Gabe unter Temodal Therapie
Domperidon Motilium® ohne zentralnervöse Nebenwirkungen
Alizaprid Vergentan®
H1-Antihistaminika
Diphenhydramin Vomex A®
Neuroleptika
Haloperidol
Benzodiazepine Tavor®

Alltagstipps

Welche Alltagstipps kann ich zur Vorbeugung einer Tumortherapie bedingten Übelkeit und Erbrechen beachten?
  • Passen Sie Ihr Essverhalten an
    • Nehmen Sie mehrere kleine statt üppige Mahlzeiten ein
    • Meiden Sie intensive Essens- oder andere lästige Gerüche
    • Meiden Sie sehr süße, fette und stark gebratene Speisen
  • Passen Sie Ihren Lebenstil an
    • Sind Sie körperlich aktiv!
    • Reduzieren oder meiden Sie Genussmittel wie Nikotin, Alkohol und Koffein
  • Entspannen Sie nach dem Essen im Sitzen (nicht flach hinlegen)
  • Bei aufkommender Übelkeit hilft Ablenkung (Gespräche, Musik hören, Fernsehen)
  • Achten sie auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Evtl. können Ihnen eiskalte, klare Getränke wie Tee oder Apfelsaft Erleichterung verschaffen
Welche komplementärmedizinische Möglichkeiten gibt es zur Vorbeugung?

Entspannungsverfahren wie z. B. die progressive Muskelentspannung nach Jacobson konnten in Untersuchungen zeigen, dass Patienten weniger Probleme mit Übelkeit und Erbrechen haben.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit stellt die Akupunktur dar. Neben der klassischen Akupunktur mit Nadeln gibt es auch die Akupressur, die Sie als Patient selbst anwenden können. Eine Stelle, die am Unterarm auf der Innenseite ca. 2 Querfinger oberhalb der Handgelenksbeugefalte zwischen den beiden Unterarmknochen liegt, gilt als besonders effektiv.

Was tun, wenn Übelkeit und Erbrechen bereits auftreten?

Durch häufiges Erbrechen verliert der Körper sehr viel Flüssigkeit. Achten Sie deshalb auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Trinken Sie genügend. Auch das Lutschen von gefrorenen Fruchtstückchen oder Eiswürfeln gleicht Flüssigkeitsverlust aus.

Vermeiden Sie Stresssituationen

  • Versuchen Sie bei aufkommender Übelkeit mehrmals tief ein- und auszuatmen.
  • Spülen Sie sich nach dem Erbrechen mehrmals den Mund mit klarem Wasser, um Mundschleimhaut und Zähne zu schützen.

Achten Sie darauf, wann die Übelkeit auftritt und ob diese im zeitlichen Zusammenhang mit Ihrer Tumortherapie steht. Sprechen Sie darüber mit Ihren Behandlern, damit diese einschätzen können, welche Art der Übelkeit vorliegt und welche Behandlung adäquat sein könnte.

Hilfe aus der Natur

Welche komplementärmedizinische Möglichkeiten gibt es zur Therapie der tumortherapieverursachten Übelkeit?

Pfefferminze

Pfefferminztee enthält das ätherische Öl Menthol, das die Nerven der Magenwand beruhigt und Erbrechen mindern kann.

Am besten wird frische Pfefferminze verwendet und in Wasser aufgekocht.

Ingwer

Sie können Ingwer in Form von Ingwertee oder Ingwerwasser oder in Form von Kapseln zu sich nehmen:

Zu den wirksamsten Medikamenten der Schulmedizin gehören Serotonin-Rezeptor-Blocker. Sie verhindern, dass der Botenstoff an seine Bindungsstellen andocken und den Brechreiz auslösen kann.

Das Naturheilmittel Ingwer wirkt nach dem gleichen Prinzip, wie verschiedene Untersuchungen gezeigt haben. In einer Untersuchung mit 576 Patienten konnte sogar ein Zusatznutzen im Vergleich zu einer Standardtherapie gezeigt werden. Hier war die Kombination aus hochdosiertem Ingwer zusammen mit der Standardtherapie (Serotonon-Antagonist + Kortison) der alleinigen Standardtherapie überlegen.1

In der Untersuchung wurde die Gabe von 500 mg oder 1.000 mg Ingwerkapseln auf 2 Einzeldosen am Tag verteilt. Da Ingwer sehr schnell vom Körper abgebaut wird, ist eine ausreichend hohe Dosierung und eine Verteilung der Einnahmezeitpunkte über den Tag hinweg entscheidend, so dass eine Einnahme von 2 Kapseln alle 4–8 Stunden empfohlen wird.

Es können Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten auftreten (nichtsteroidale Antiphlogistika, Antikoagulanzien, Insulin, Tacrolimus und Ciclosporin).

Quellen

1: Ryan, Heckler et al. 2012

 

Pfefferminze

Pfefferminze

Pfefferminze kann, zubereitet als Tee, Salbe oder Tabletten, verdauungsfördernd, schleimlösend, krampflösend und beruhigend auf Haut und Nerven wirken. Je nach Zubereitung findet Pfefferminze Anwendung bei Gallenproblemen, Krampfbeschwerden im Magen-Darm-Bereich, Migräne, Kopf- und Nervenschmerzen, bei Erkältungen, Reizdarmsyndrom oder innerer Unruhe.
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Ingwer

Ingwer

Ingwer enthält verschiedene Wirkstoffe, die in ihrer Gesamtheit antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen haben, sowie eine Förderung der Verdauung durch Anregung der Speichel-, Magensaft- und Gallenbildung bewirken können.
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