Hand-Fuß-Syndrom, HFS <small>(Palmar-plantare Erythrodysästhesie, PPE)</small>

Hand-Fuß-Syndrom, HFS (Palmar-plantare Erythro­dys­ästhesie, PPE)

Hilfe aus der Natur

Das Hand-Fuß-Syndrom zeigt sich in Form schmerzhafter Rötungen (Erytheme genannt) und Schwellungen der Haut an den Handinnenflächen und Fußsohlen. In seiner milden Form klingen die Symptome nach etwa zwei Wochen wieder ab. In seiner stärksten Ausprägung schränkt es Patienten bei der Ausübung von Alltagsaktivitäten so stark ein, dass es zu einer Unterbrechung oder sogar zum Abbruch der Krebsbehandlung führen kann. So weit muss es nicht kommen, wenn der Patient die Anzeichen früh erkennt und rechtzeitig handelt.

Wie kann ich ein entstehendes Hand-Fuß-Syndrom erkennen?

Zu Beginn zeigen sich leichte Hautrötungen an der Handinnenseite und der Fußsohle und ein erstes Kribbeln oder Taubheitsgefühl. (Siehe Abbildung 1). Im nächsten Stadium treten deutliche Hautrötungen, Schwellungen und erste Schmerzen bei mechanischer Belastung auf. Die Hautrötungen können sowohl flächig verteilt als auch lokalisiert an mechanisch belasteten Druckstellen der Handfläche und Fußsohle auftreten. Danach kommt es zu starken Schwellungen, ersten Rissen in der Haut, nässenden Abschuppungen und einem Dauerschmerz, der Alltagsaktivitäten einschränkt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet 4 Stadien der Ausprägung eines Hand-Fuß-Syndrom. (Siehe Infobox 1).

Abbildung 1

Handinnenflächen und Fußsohlen sind am häufigsten betroffen

Infobox 1

Grad WHO
1 (dezentes) Erythem, Missemfindungen möglich, normale Aktivität möglich
2 Erythematöse Schwellung, Schmerzen bei der mechanischen Belastung palmoplantar
3 Schmerzhafte, erythematöse Schwellung, Fissuren, Alltagsaktivitäten eingeschränkt
4 Stark schmerzhafte erythematöse Schwellung, Blasenbildung und Ulzeration möglich, Alltagsaktivitäten nicht möglich

Häufigkeit & Ursache

Wann tritt das Hand-Fuß-Syndrom auf?

Das Hand-Fuß-Syndrom ist eine typische und häufige unerwünschte Arzneimittelnebenwirkung von Chemo- und Antikörpertherapien. Es kann bereits innerhalb der ersten Wochen der Arzneimitteltherapie auftreten. Es gibt allerdings auch Wirkstoffe, die erst nach einigen Therapiemonaten zur Ausbildung des Hand-Fuß-Syndrom führen. Die Wahrscheinlichkeit und der Zeitpunkt dafür, ein Hand-Fuß-Syndrom zu entwickeln, hängen stark von den als Infusion oder Tablette verwendeten Wirkstoffen ab. (Siehe Infobox 2)

Wie entsteht ein Hand-Fuß-Syndrom?

Der Mechanismus, der der Entstehung der Symptome zugrunde liegt, war lange unbekannt. Jüngste Untersuchungen lassen den Schluss zu, dass Teile des verwendeten Arzneimittelwirkstoffs über den Schweiß auf die Hautoberfläche gelangen und dort mit dem Luftsauerstoff reagieren. Dabei entstehen sogenannte „freie Radikale“. Diese schädigen die Hautzellen und führen zu den beschriebenen Symptomen des Hand-Fuß-Syndrom.

Was sind freie Radikale und wie können sie unschädlich gemacht werden?

Freie Radikale sind besonders aggressive Moleküle, die durch biochemische Prozesse auf einzelne Strukturen der Zelle einwirken und diese schädigen können. Die Gegenspieler der freien Radikale sind die sogenannte „Radikalfänger“. Sie können die freien Radikale neutralisieren und den aggressiv verlaufenden biochemischen Prozess stoppen. Zur Klasse der „Radikalfänger“ gehören Antioxidanzien und ungesättigten Fettsäuren. Ein pflanzliches Antioxidanz ist zum Beispiel OPC (oligmomere Proantozyanidine), das in Traubenkernen enthalten ist. Einen hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren enthält zum Beispiel Hanföl.

Infobox 2

Abhängigkeit von Substanz und Dossis wurde eine Inzidenz zwischen 4–79 % beobachtet

Substanz Inzidenz
Sorafenib und Bavecizumab 79 %
Docataxel und Capecitabin 56–63 %
Regorafinib 61 %
Capecitabin 50–60 %
pegyliertes liposomales Doxorubicin (PLD) 34–50 %
Sorafenib 34–48 %
Docataxel 6–37 %
Sunitinib 19–36 %
Cabozantinib 35,3 %
5-FU 5–35 %

Schulmedizinische Methoden

Zur Prophylaxe eines möglichen Hand-Fuß-Syndroms sollten folgende Verhaltensmaßnahmen beachtet werden:

  • Vermeidung mechanischer Belastung (Druck, Reibung, Hitze)
  • Vermeidung von chemischen Noxen wie längerem Kontakt mit Wasser, Reinigungsmittel
  • Behandlung von Vorerkrankungen wie Intertrigo, Nekrosen, Mykosen, Hyperkeratosen

Zusätzlich wird die Verwendung einer 10%igen Harnstoffcreme, die mindestens 2-mal täglich aufgetragen werden soll, empfohlen.

Bei einer Chemotherapie mit Taxanen (z. B. Docetaxel, Paclitaxel) kann die Verwendung eines Gel-Kühlhandschuhs zur Vorbeugung verwendet werden. Der Handschuh wird dabei auf -4 Grad Celsius heruntergekühlt und für ca. 90 min vor und während der Infusion getragen.

Eine medikamentöse Begleittherapie mit Celecoxib 200 mg 2-mal täglich wird von Fachleuten kontrovers diskutiert.

Zur Therapie eines auftretenden Hand-Fuß-Syndroms wird das Weiterführen der oben geschilderten Prophylaxemaßnahmen empfohlen.

Bei starker Ausprägung des HFS wird zusätzlich die Verwendung von Kortison-Cremes empfohlen, die z. B. Prednicarbat oder Mometasonfumarat enthalten.

Als weitere Maßnahme wird die Dosisreduktion oder gar das Unterbrechen der medikamentösen Krebstherapie in Erwägung gezogen, um den Körper von den nebenwirkungenauslösenden chemischen Reizen zu entlasten.

Ein ceramidhaltiger Kolloidverband um die betroffenen Hautareale ist eine weitere Behandlungsoption.

Quellen

S3 Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen Patienten - April 2017 AWMF-Registernummer: 032/054OL

Alltagstipps

Wie kann ich einem Hand-Fuß-Syndrom vorbeugen?

Welche Alltagstipps kann ich zur Vorbeugung eines Hand-Fuß-Syndrom beachten?

  • Achten Sie auf die richtige Kleidung.
    • Vermeiden Sie enge Kleidung und lose oder zu eng sitzende Schuhe.
    • Baumwollhandschuhe und gepolsterte Schuhe schützen vor Verletzungen.
  • Schonen Sie Ihre Hände und Füße vor starken mechanischen Beanspruchungen.
    • Benutzen Sie keine rauen Handtücher oder Waschlappen.
    • Knien Sie nicht über einen längeren Zeitraum und stützen Sie sich nicht auf den Ellenbogen ab.
  • Vermeiden Sie heißes Wasser, zum Beispiel beim Waschen und Baden.
  • Meiden Sie den Kontakt zu aggressiven Haushaltsmitteln beim Putzen und Abspülen und tragen Sie nach Möglichkeit Gummihandschuhe.
  • Baden Sie Ihre Hände und Füße mehrmals täglich in kaltem Wasser.
  • Meiden Sie direkte Sonneneinstrahlung und Hitze.
  • Vermeiden Sie übermäßiges Schwitzen durch sportliche Aktivitäten oder den Besuch einer Sauna.
Was tun, wenn das Hand-Fuß-Syndrom bereits auftritt?

Bei Auftreten eines Hand-Fuß-Syndrom sollen die vorbeugenden Maßnahmen, wie die Verwendung von Harnstoffcreme oder Hanföl, weitergeführt werden. Halten Sie Rücksprache mit Ihrem Behandlerteam. Unter Umständen wird der Einsatz von Kortison oder Schmerzmitteln notwendig. Auch die Vergrößerung der Therapieintervalle oder eine Dosisreduktion des auslösenden Wirkstoffs ist gegebenenfalls erforderlich und gegen einen möglicherweise eingeschränkten Nutzen der Therapie abzuwägen.

Hilfe aus der Natur

Harnstoff

Onkologen empfehlen zur Vorbeugung eines Hand-Fuß-Syndrom eine 10%ige Harnstoffcreme1. Diese steht jeweils als Hand- und Fußcreme zur Verfügung und soll mehrmals täglich (mind. 2-mal täglich) auf die gefährdeten Hautareale der Hand – und Fußflächen aufgetragen und intensiv einmassiert werden.

Hanföl

Sie können Hanföl in Form eines Hautöls anwenden und bei Bedarf um einen Badezusatz ergänzen.

Das Hanföl fungiert als „Radikalfänger“, indem es die auf der Hautoberfläche befindlichen freien Radikale bindet und unschädlich macht. Hanföl (zum Beispiel Newilind® Pflegeöl) ist reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, unter anderem Omega 3- bzw. 6- sowie Linolensäuren, die in der Naturheilkunde bei Hauterkrankungen zum Einsatz kommen. In einer klinischen Untersuchung wurde die Wirkung von Hanföl untersucht. Die Hauterscheinungen haben sich hierdurch signifikant verbessert, was der ausgewogenen Fettsäurekomposition im Hanföl zugeschrieben wird2.

Hilfe aus der Natur - TraubenkernextraktOPC Traubenkernextrakt

Wenn Ihre Hände oder Füße chemotherapiebedingt rissig, gerötet oder entzündet sind, können warme Hand- und Fußbäder, die auf Traubenkernextrakt und Hanföl basieren, Linderung schaffen. Der Traubenkernextrakt enthält einen hohen Anteil an antioxidativ und entzündungshemmend wirkenden sekundären Pflanzenstoffen, OPC (oligmomere Proantozyanidine). Achten Sie bei Hand- und Fußbädern auf die für Sie angenehme Wassertemperatur.

Quellen

1: S3 Leitlinie

2: Koula-Jenik H, Holzhauer P: Anwendungsbeobachtung zum präventiven Potential von Hanföl beim Capecitabin induzierten Hand-Fuß-Syndrom. Deutsche Zeitschrift für Onkologie 42:80-84, 2010

 

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OPC Trauben­kernextrakt

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