Entzündung der Mundschleimhaut <small>(Mukositis/Stomatitis)</small>

Entzündung der Mund­schleim­haut (Mukositis/‌Stomatitis)

Häufige Nebenwirkung einer Chemotherapie: schmerzende Mundschleimhäute - natürlich lindern

Hilfe aus der Natur

Mukositis ist die Bezeichnung für eine entzündliche Reaktion der Schleimhäute des Mundes bis hin zum Verdauungstrakt. Sie wird durch die Schädigung der Schleimhaut infolge onkologischer Therapien wie Chemo- und/oder Strahlentherapien ausgelöst. Die Krebstherapeutika greifen vorwiegend Gewebe an, deren Zellen sich schnell teilen. Neben den Krebszellen gehören hierzu unter anderem Zellen der Haarwurzeln, blutbildende Gewebe und auch die Schleimhaut.

Die Mukositis gehört zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Krebstherapie und zeigt sich in Form von Rötung, Schwellung und Blutung bis hin zu sehr schmerzhaften Geschwüren der Schleimhaut, wodurch die Lebensqualität stark beeinträchtigt werden kann.

Je nachdem, welche Schleimhautregion von dem Entzündungsgeschehen betroffen ist, treten zum Teil schwerwiegende Folgeerscheinungen auf. Oft ist aufgrund der Schmerzen eine ausreichende Nahrungsaufnahme unmöglich. Die Folgen sind zum Beispiel Gewichtsverlust und Durchfall oder Erbrechen sowie Herz-Kreislauf-Symptome durch eine verminderte Flüssigkeitsaufnahme.

 
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Häufigkeit & Ursache

Wann tritt eine Mukositis auf?

Die Mukositis ist eine der am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen der Krebstherapie. Die ersten Symptome treten bereits innerhalb der ersten beiden Wochen in Form von Rötungen und Blasenbildung auf. Es kommt zu einer Verminderung der Speichelproduktion und zu leichten Schluckbeschwerden. Je nach individueller Ausprägung kommt es in der Folge zu schmerzhaften Entzündungen bis hin zu Geschwüren und Blutungen. Eine Mukositis ist in ihrer Erscheinungsform von Patient zu Patient verschieden und dauert unterschiedlich lange, von wenigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen. Nach Beendigung der Chemo- oder Strahlentherapie bildet sich die Mukositis wieder zurück . Das Risiko, eine Schleimhautentzündung zu erleiden, hängt von Art, Dauer und Konzentration der verabreichten Therapien ab.

Für einige Wirkstoffe ist die Wahrscheinlichkeit, eine Mukositis zu entwickeln, statistisch erfasst worden.

Infobox 1

Abhängig von der Substanz wurde eine Inzidenz zwischen 10–66 % beobachtet

Substanz Inzidenz
Anthrazykline und Docetaxel und 5-FU 66 %
Docetaxel und 5-FU 46 %
Docetaxel und 5-FU und Platin 43 %
5-FU und Leukovorin und Mitomycin C 41 %
Paclitaxel und 5-FU und Platin 27 %
Platin, MTX, Leukovorin 18 %
5-FU und Platin 18 %
5-FU und Leukovorin und Mitomycin C 15 %
5-FU Dauerinfusion 14 %
5-FU und Leukovorin 14 %

Zytoralia
Capecitabin 24,3 % (Grad 3)
Sunitinib 7,7 % (all grade)
Aber auch bei vielen anderen Onkologika gehört die Entzündung der Mundschleimhaut zu den möglichen Nebenwirkungen. Beispiele aus der Gruppe der Zytoralia sind die Zytostatika Chlorambucil, Melphalan und Vinorelbin sowie die niedermolekularen Kinase-Inhibitoren Axitinib, Regorafenib, Sorafenib und Erlotinib

 

Wie kann ich eine entstehende Mukositis erkennen?

Erste spürbare Symptome wie Rötungen, Brennen im Mund und Überempfindlichkeit auf heiße und scharfe Speisen entstehen meist zum Ende der ersten Woche nach Therapiebeginn.

Untersuchen Sie Ihre Mundhöhle gründlich nach Veränderungen an der Schleimhaut. Grafik 1 zeigt die Stellen im Mund, an denen üblicherweise erste Symptome auftreten.

Grafik 1

Bildnachweis: S3 Leitlinie Supportive Krebstherapie

 

Im Bereich der Rötungen kommt es zu Verletzungen der Mundschleimhaut und zu Entzündungen. Ab Ende der zweiten Woche entstehen erste Geschwüre. Diese sind zunächst klein und lokal begrenzt, werden später jedoch größer und weiten sich aus. Zusätzlich macht sich eine verminderte Speichelproduktion bemerkbar und es kommen leichte Schluckstörungen hinzu. Die normale Nahrungsaufnahme ist in diesem Stadium noch möglich.

In einem nächsten Schritt treten auf den Wunden weiße Beläge aus Eiweiß und abgestorbenen Schleimhautzellen auf. Aufgrund der Schmerzen ist die Nahrungsaufnahme nur noch eingeschränkt möglich.

In einem fortgeschrittenen Stadium kommt es schließlich zu Blutungen der Geschwüre, was eine Nahrungsaufnahme über den Mund unmöglich macht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet 4 Stadien der Ausprägung einer Mukositis.

Infobox 2

 

Wie entsteht eine Mukositis?

Aktuelle Untersuchungen gehen von einem Zusammenspiel komplexer biochemischer Prozesse innerhalb der Schleimhautzellen aus. Dabei spielen auch Botenstoffe eine wichtige Rolle. Der Entstehungsverlauf findet in 5 klinischen Phasen statt und ist entgegen früherer Annahmen nicht nur eine Reaktion auf ein einmaliges schädigendes Ereignis.

  • Phase der Initiierung: Es kommt zur direkten und irreversiblen Schädigung der DNA der Schleimhautzelle.
  • Phase der Hochregulierung: Es werden Botenstoffe erzeugt, die die Produktion entzündungsförderlicher Stoffe auslösen.
  • Phase der Signalübertragung und Verstärkung führt zum Zelltod und Gewebeschädigung.
  • Phase der Ulzeration und Entzündung führt zur Bildung der Geschwüre.
  • Phase der Wundheilung: Diese geschieht meist von selbst.

 

Quellen

Grafik Infobox 2: S3 Leitlinie Supportive Krebstherapie

 
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Schulmedizinische Methoden

In den ärztlichen Leitlinien der auf wissenschaftlichen Nachweisen beruhenden Medizin gibt es keine Empfehlungen für bestimmte Methoden oder Substanzen zur Behandlung einer Mukositis. Dies liegt daran, dass bisher keine Studie entsprechende Wirksamkeits-Nachweise erbringen konnte. Deshalb werden lediglich Mundspülungen mit Wasser oder isotonischer Kochsalzlösung empfohlen, so wie das Lutschen von Eiswürfeln.

Da es keine konkreten Empfehlungen gibt, wird eine Fülle von Substanzen angeboten, die eine Linderung der Mukositis Symptome versprechen. Viele Zubereitungen enthalten Alkohol, der die Mundschleimhäute angreift oder aggressive Stoffe, die bei längerer Anwendung den Geschmackssinn beeinträchtigen, und daher für eine schonende Behandlung der Mukositis eher nicht In Frage kommen. Mundspüllösungen mit Benzydamin oder Chlorhexidinbis(D-gluconat) sind Beispiele hierfür.

Häufig werden Mundspüllösungen mit lokal an der Mundschleimhaut wirkenden Schmerzmitteln wie Lidocain oder Benzocain kombiniert, um eine Schmerzlinderung zu erreichen.

 
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Alltagstipps

Wie kann ich einer Mukositis vorbeugen?

Grundlage ist eine penible Schleimhauthygiene. Diese schließt die regelmäßige Mundpflege mit ein.

Ferner empfehlen die Onkologen:

  • mehrmals täglich milde Mundspülungen mit Wasser oder physiologischer Kochsalzlösung.
  • bei besonders aggressiven Chemotherapeutika wie zum Beispiel dem Wirkstoff 5-FU eine 30-minütige Kältetherapie durch Lutschen von Eiswürfeln 5 Minuten vor Beginn der ersten Infusion.
Welche komplementärmedizinischen Möglichkeiten gibt es zur Therapie der Mukositis?

Im Wesentlichen sollen die der Vorbeugung dienenden Maßnahmen auch beim Auftreten der Symptome zur Linderung eingesetzt werden

Eine weitere Methode ist das Lutschen von gefrorenen Ananasstücken (oder Eiswürfeln). Ideal ist die Verwendung einer frischen Ananas, weil diese noch einen hohen Gehalt an entzündungshemmenden Substanzen wie zum Beispiel Bromelain enthält. Schneiden Sie die Ananas in mundgerechte Stücke. Geben Sie die Ananasstücke in das Eisfach Ihres Kühlschrankes oder in einen Gefrierschrank und frieren diese ein. Sie können mehrmals täglich ein gefrorenes Ananasstück (beziehungsweise ein mundgerechtes Stück Eis) langsam im Mund zergehen lassen. Dadurch können die entzündungshemmenden Substanzen an Ort und Stelle wirken und der Kältereiz lindert die Schmerzen.

Welche Alltagstipps kann ich zur Vorbeugung einer Mukositis beachten?
  • Grundlage ist eine penible Schleimhauthygiene. Diese schließt die regelmäßige Mundhygiene mit ein:
    • mindestens 2-mal täglich mit einer weichen Zahnbürste die Zähne putzen
    • mindestens 1-mal täglich Zahnseide benutzen
  • Vermeiden Sie scharfe und säurehaltige Speisen.
  • Verzichten Sie auf den Genuss von Alkohol und Tabak.
  • Tragen Sie mehrmals täglich Lippenpflege auf.
  • Lassen Sie vor, während und nach der Behandlung Ihre Zähne von einem Zahnarzt überprüfen.
  • Sollten Sie einen zahnärztlichen Eingriff planen, lassen Sie diesen mindestens 3 Wochen vor Beginn der Krebstherapie beziehungsweise des Therapiezyklus durchführen.
Was tun, wenn die Mukositis bereits auftritt?

Bei Auftreten einer Mukositis sollen die vorbeugenden Maßnahmen wie Mundhygiene oder Mundspülungen weiter durchgeführt werden.

Sie sollten darauf achten, dass Ihre Mundspüllösung möglichst frei von reizenden Substanzen ist und keinen Alkohol enthält. Dieser fördert die Durchblutung und reizt die Mundschleimhaut zusätzlich.

Halten Sie Rücksprache mit Ihrem Behandlerteam. Unter Umständen wird der Einsatz von Kortison oder Schmerzmitteln notwendig. Je nach Begleitsymptomen ist der Einsatz weiterer Arzneimittel gegen Pilz- oder Virenbefall nötig. Als ultimative Maßnahme ist gegebenenfalls die Vergrößerung der Therapieintervalle oder eine Dosisreduktion des auslösenden Wirkstoffs gegen den möglicherweise dadurch eingeschränkten Nutzen der Therapie abzuwägen.

Hilfe aus der Natur

Welche natürlichen Möglichkeiten gibt es zur Vorbeugung?

Arzneitees

Zur Vorbeugung können Mundspülungen mit Salbei oder Kamillen Tee vorgenommen werden. Auch Myrrhe Tinktur kommt zur Anwendung – aber Vorsicht, diese enthält Alkohol.

Mundspüllösung auf Basis von Traubenkernextrakt

Bewährt hat sich eine Mundspüllösung auf Basis von Traubenkernextrakt (OPC). Dieser „Mundtee“ enthält zusätzlich unter anderem Salbei und Ringelblumenblüten. In einer klinischen Untersuchung an 57 Patientinnen konnte die vorbeugende Wirkung der Mundspüllösung, die begleitend zur Chemotherapie angewendet wurde, nachgewiesen werden1.

Hanföl

Eine zusätzliche Option ist die Verwendung einer Ölziehkur aus einer Mischung von kaltgepresstem Hanföl*, Nachtkerzenöl*, Argan- und Borretschöl*. Das langsame Hin- und Herbewegen im Mund dient der Reinigung und Pflege der Mundschleimhaut. Die in den eingesetzten Ölen enthaltenen ungesättigten Omega-3 Fettsäure und γ-Linolensäure wirken entzündungshemmend.

Quellen

1: Holzhauer P et al. Prophylaxe der Chemotherapie-assoziierten oralen Mukositis Deutsche Zeitschrift für Onkologie 36 2015; 47: 36–40

 

Hanföl

Hanföl wird aus den (kalt gepressten) Samen des Nutzhanfs gewonnen und darf nicht mit dem destillierten ätherischen Hanföl verwechselt werden. Es stellt gewissermaßen ein Nebenprodukt des industriellen Hanfanbaus zur Fasergewinnung dar.
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OPC Traubenkernextrakt

OPC Trauben­kernextrakt

Traubenkernextrakt hat einen relativ hohen Anteil an sogenannten oligomeren Proanthocyanidinen (OPC) aus der Gruppe der Ployphenole. Den OPC werden neben antioxidativen auch entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben.
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