Mundtrockenheit <small>(Xerostomie)</small>

Mund­trocken­heit (Xerostomie)

Besonders häufig bei Krebsbestrahlungen: eine trockene Mundschleimhaut - ntürlich lindern

Symptome

Mundtrockenheit (Fachbegriff Xerostomie) ist eine weit verbreitete Nebenwirkung, die hauptsächlich bei Strahlentherapie im Kopf-/Halsbereich, aber auch bei vielen Chemotherapien auftritt.

Für viele Patienten ist die andauernde Mundtrockenheit eine schwere Belastung. Der Speichelfluss ist stark reduziert, was zu Beschwerden beim Sprechen und Schlucken führen kann. Sogar das Geschmacksempfinden kann negativ beeinflusst sein.

Eine gestörte Speichelproduktion führt häufig zu Folgekomplikationen wie Entzündungen der Mundschleimhaut (Mukositis) oder Mundssor, dem Befall der Mundschleimhaut mit Hefepilzen (Candida).

 
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Häufigkeit & Ursache

Wie häufig kommt Mundtrockenheit vor?

Das Risiko einer Mundtrockenheit steigt mit der Häufigkeit der Anwendung und der Dosis einer Strahlen- bzw. Chemotherapie.

Einige Wirkstoffe bergen ein besonders hohes Risiko, eine Mundtrockenheit zu entwickeln.

Wie kommt es zur Mundtrockenheit?

Bei Anwendung der primär gegen die Krebszellen gerichteten Strahlentherapie können auch die im Mund und Ohr befindlichen Speicheldrüsen von den Strahlen geschädigt werden. Gleiches gilt auch für bestimmte Chemotherapien. Diese sind gegen die sich schnell teilenden bzw. schnell vermehrenden Krebszellen gerichtet. Da sich die Zellen der Mundschleimhaut und des Gewebes der Speicheldrüsen ebenfalls schnell teilen, werden auch diese von der Chemotherapie mit erfasst. Die Produktion und Abgabe des Speichels durch das Drüsengewebe ist stark reduziert und es kommt zur Mundtrockenheit.

 
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Schulmedizinische Methoden

Zur Vorbeugung einer Mundtrockenheit werden Medikamente mit dem Wirkstoff Amifostin verabreicht. Diese Tabletten sollen vor Beginn einer Strahlentherapie eingenommen werden.

Zur Therapie einer bereits auftretenden Mundtrockenheit werden zur Anregung der Speichelbildung Arzneimittel mit dem Wirkstoff Pilocarpin verordnet. Pilocarpin regt nicht nur die Speichelproduktion an, sondern auch die Schweißproduktion, weshalb als Nebenwirkung Schwitzen und Schweißausbrüche berichtet werden.

Speichelersatzmittel können Mundtrockenheit lindern. Deren Effektivität wird von Experten unterschiedlich beurteilt. Auch ist zu berücksichtigen, dass sich die langfristige Anwendung von Speichelersatzmitteln auf die Zahngesundheit problematisch auswirken kann.

 
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Alltagstipps

Wie kann ich einer Mundtrockenheit vorbeugen?

Moderne Bestrahlungstechnik bevorzugen

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über das Bestrahlungsverfahren, das angewendet werden soll. Moderne Verfahren wie die „Intensitätsmodulierte Strahlentherapie“ (IMRT) arbeiten besonders zielgerichtet. Die zu bestrahlenden Gebiete können deutlich voneinander abgegrenzt und mit variablen Dosen bestrahlt werden. Empfindliche Areale wie Speicheldrüsen und Mundschleimhaut können so mit weniger Strahlung in Berührung kommen und werden geschont.

mund-und-zahlpflege

Mund und Zahnpflege

  • Putzen Sie Ihre Zähne und Zahnfleisch mit einer weichen Zahnbürste nach jeder Mahlzeit und mindestens ca. 3 Minuten.
  • Benutzen Sie Zahnseide oder Interdentalbürstchen zum Säubern der Zahnzwischenräume.
  • Verwenden Sie fluoridhaltige Zahncreme.

 

Trinken und essen

Meiden Sie heiße und scharfe Speisen sowie (frucht)säurehaltige Lebensmittel. Nehmen Sie weiche Speisen mit hoher Kalorienanzahl zu sich. Besonders viel Energie enthalten Eiscreme, Milchshakes oder Götterspeise.

Nicht rauchen

Rauchen setzt reizende Stoffe frei, die die Schleimhäute im Mund- und Rachenraum angreifen. Dies kann die Beschwerden auslösen oder sogar verschlimmern.

Welche komplementärmedizinischen Möglichkeiten gibt es zur Therapie der Mundtrockenheit?

Akupunktur

Sie können Akupunktur zur Vorbeugung einer Mundtrockenheit ausprobieren. In wie weit Akupunktur bei einer bereits auftretenden Mundtrockenheit den Speichelfluss anregt, ist bei Experten umstritten.

Hilfe aus der Natur

Welche natürlichen Möglichkeiten gibt es zur Vorbeugung und Linderung?

Mund feucht halten

Spülen und Trinken von Wasser oder verschiedener Tees (z. B. Eibischtee) können Beschwerden lindern, ebenso kühle Getränke oder das Lutschen von Eiswürfeln.

Zitronensaft

Mischen Sie Zitronensaft mit stillem Wasser und trinken Sie schluckweise vor dem Essen. Der Zitronensaft kann die Speichelsekretion stimulieren, Aufgrund der Fruchtsäure sollten Sie vorsichtig dosieren. Ist die Anwendung des Zitronensaftes sehr unangenehm, können Sie alternativ die Beduftung des Raumes mit Zitronenöl versuchen.

Lutschen von geeisten Fruchtstücken

Fruchtstücke - Eis

Eine weitere Methode ist das Lutschen von gefrorenen Ananasstücken. Ideal ist die Verwendung einer frischen Ananas, weil diese noch einen hohen Gehalt an entzündungshemmenden Substanzen wie z. B. Bromelain enthält. Schneiden Sie die Ananas in mundgerechte Stücke. Geben Sie die Ananasstücke in das Eisfach Ihres Kühlschrankes oder in einen Gefrierschrank und frieren diese ein. Sie können mehrmals täglich ein gefrorenes Ananasstück langsam im Mund zergehen lassen. Auf diese Art wird die Mundschleimhaut befeuchtet und entzündungshemmende Substanzen können an Ort und Stelle wirken.

Arzneitees

Zur Vorbeugung können Mundspülungen mit Salbei- oder Kamillentee vorgenommen werden. Auch Myrrhe-Tinktur kommt zur Anwendung – aber Vorsicht, diese enthält Alkohol.

Mundspüllösung auf Basis von Traubenkernextrakt

Bewährt hat sich eine Mundspüllösung auf Basis von Traubenkernextrakt (OPC). Dieser „Mundtee“ enthält zusätzlich u. a. Salbei und Ringelblumenblüten. In einer klinischen Untersuchung an 57 Patientinnen konnte die vorbeugende Wirkung der Mundspüllösung, die begleitend zur Chemotherapie angewendet wurde, nachgewiesen werden.1

Selen

Experten empfehlen die Einnahme von Selen kurz vor und während der Chemo- und Strahlentherapie in Tagesdosierungen von 500–1000 Mikrogramm, um rasch einen optimalen Selenspiegel im Blut zu erreichen.2

Eiweiß aus Linsen (Linsenlektin)

Die schleimhautstabilisierende Wirkung von Linseneiweiß kann man sich bei krebstherapiebedingter Mundtrockenheit zu Nutze machen. Das Linsenlektin stimuliert die Zellen der Mundschleimhaut, körpereigene Eiweiße freizusetzen. Diese bilden einen Schutzfilm auf der Schleimhaut. Der Schutzfilm schützt sie vor der Ansiedlung von Hefepilzen und reduziert das Gefühl der Mundtrockenheit.3

Quellen

1: Holzhauer P et al. Prophylaxe der Chemotherapie-assoziierten oralen Mukositis Deutsche Zeitschrift
für Onkologie 36 2015; 47: 36–40.

2: https://static-content.springer.com/pdf/art%3A10.1007%2Fs00761-009-1762-5.pdf?token=1520165045870--f7614e803a573081bb450fea3062494fcba30f1164ef0b633a459d6d897998088e41e1b799bcdf1da3a4224ac82537334f23bd04d0e6fc273585c492146743fe (besucht am 01.03.2018)

3: iiarjournals.org (besucht im März 2018)

 

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